Sonntag, 11. Juli 2010

Outbacktour 2009 - Tag 6

Walgett zum Warrumbungle National Park - 230 km.



Der nächste Morgen beginnt für Frank und Martin früh – des Vogels wegen. Er hat die Nacht überlebt und schreit nach Futter. Im trockenen Gras und am Autokühler befindet sich genug „Material“. Außerdem müssen wir beraten, was wir nun mit unserer Reise machen. Inzwischen ist Corinna aus ihrem komatösen Schlaf erwacht. Wir sind uns alle einig, dass wir nicht bis an die Küste nach Port Macquarie fahren. Wir sind Auto-müde. Nach einem Frühstück und Katzenwäsche an unserem Wasserhahn setzen wir die Reise zu viert fort. Die massenhaft vorhandenen Fliegen liefern uns auch während der Fahrt genug Futter für das Miner-Küken: einfach Fenster auf, Fenster zu und mit der Straßenkarte die Fliegen erschlagen. Fertig.

Unsere Fahrt führt uns also statt nach Osten Richtung Süden, entlang des Castlereagh River. Wir haben uns einen (in der Karte) winzigen Nationalpark ausgesucht, von dem wir noch nie gehört hatten. Kurz hinter Walgett müssen wir sehr weit links ranfahren.



Ein Schwertransporter in Monstermaßen kommt uns entgegen – in Australien völlig normal. Der LKW transportiert eine Kippvorrichtung für einen gigantischen Lastwagen in den Minen – allein die Ladefläche ist so groß wie ein Haus. Das gibt uns die Möglichkeit das Straßenschild zu fotografieren, welches den Weg zum Städtchen „Zufällig Vorbeigekommen weist.



Die Landschaft wir wieder grüner, weite Weiden und große Bäume bestimmen das Bild. Schließlich erreichen wir Coonamble. Dort gibt es einen Zeitungsverlag, ein Tabakgeschäft und einen Supermarkt. Den nehmen wir in Beschlag, kaufen unsere neuen Vorräte für die Nacht und speisen im örtlichen Sandwichgeschäft. Da schaut es aus, als wäre die Zeit irgendwann in den 50ern stehen geblieben. Als wir am Auto ankommen, parkt ein uns bekannter Kombi direkt neben uns: Der Gitarren-Abo mit seinen Norwegerinnen. Nach einem kurzen Plausch setzen wir die Fahrt vor. Die Landschaft lässt nicht darauf schließen, dass hier etwas Schützenswertes wie ein Nationalpark lauern sollte. Etwas flau ist uns im Magen, als wir kurz vor Gulargambone auf die Straße zum Warrumbungle National Park abbiegen. Laut Straßenkarte soll sie durchgehend asphaltiert sein. Ist sie nicht. Auch gibt es viele Kreuzungen, die nicht ausgeschildert sind. Nur die großen bewaldeten Felsen sehen wir, mitten im Farmland, das dürfte es dann wohl sein. Vier Irrfahren und jede Menge dreifachen Zickenterror später erreichen wir völlig angepisst das Schild: Welcome to Warrumbungle National Park.



Wir sind sofort versöhnt. Es ist absolut traumhaft schön. Im Infocenter sagt uns die Dame, dass die tollen Wasserfälle und Bergbäche zwar momentan ausgetrocknet seien, aber dafür können wir bestimmt einen Koala sehen. Das klingt doch wunderbar. Der Hauptzeltplatz ist zwar sehr schön, aber leider sind alle schattigen Plätzchen schon belegt. Es ist unglaublich heißt. Wir bauen das Zelt irgendwo auf. Ich will derweil mal die sanitären Einrichtungen inspizieren. Als ich da ankomme trifft mich der Schlag. Und das liegt nicht an den Klos. Direkt neben dem Toilettenblock, an einen Baum gelehnt, döst ein großer dicker Koala im Schatten.



Er sitzt einfach da. Ich rufe Corinna (die natürlich wieder eine dicke Monster-Tekla vermutet). Der Koala ist nicht besonders scheu, Corinna kann sich direkt neben ihn setzten und sich fotografieren lassen. Der Koala schaut nur kurz und döst dann wieder ein. Die Stimmung ist wieder auf dem Hoch.

Corinna will kurz schlafen, Frank und ich beschließen einem kleinen Wanderpfad zu folgen. Kängurus überall. Wir laufen durch eine kleine Schlucht, die sich in ein Tal öffnet. Wahnsinn. Eine große Wiese, umrahmt von hohen Felswänden und Eukalyptus-Bäumen. Und Kängurus überall. Sie lassen sich überhaupt nicht stören.



Ich kann aus zwei Metern Entfernung eine Mutter mit ihrem Jungen im Beutel fotografieren. Null Reaktion. Wir laufen zurück, und beschließen, sofort umzuziehen. Nur den Duschblock des anderen Zeltplatzes nutzen wir – er ist erstklassig. Nachdem wir auch Corinnas Sonnenbrille im Flussbett wieder gefunden hatten, konnten wir den Tag ausklingen lassen.



Die Nacht wird mit BBQ und Karton-Wein begangen. Der Vogel schläft auf einem Ast auf dem Tisch. Es ist wunderbar.

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