Montag, 12. Juli 2010

Outbacktour 2009 - Tag 2

Nyngan nach Broken Hill - 595 km.



Am nächsten Morgen musste Corinna feststellen, dass so eine Nacht im Zelt alles andere als Loréal-glatte Fernseh-Haut bedeutet. Auch Frank und Martin wirkten zu so früher Stunde recht unfrisch – vor allem wenn man morgens um halb 6 von einer Horde EXTREM laut kreischender Galah-Papageien geweckt wird.



Nach einem Müsli-Frühstück setzten wir die Reise fort – bevor es dunkel wird (Kängeru-Suizid-Alarm!!) wollten wir in White Cliffs sein – der Stadt, unter der Erde. White Cliffs liegt in der Wüste und ist eine Bergbau-Siedlung. Dort wird es tagsüber so heiß (um die 50*C), dass man den gesamten Ort unterirdisch in den Fels baute; zu erreichen über zahlreiche Stufen tief in den Wänden eines riesigen Lochs verborgen. Und ja, der Ort ist mit 150 Einwohnern nicht nur bewohnt, sondern auch die größte Stadt im Umkreis von 300 Kilometern!

Leider zieht sich diese Strecke. Sie zieht sich und zieht sich und zieht sich… Das liegt daran, dass es dort nichts zu sehen gibt als endlos plattes, verdörrtes Land und einer laaaangen grauen Linie: den Barrier Highway.



Ein großes Schild im Nirgendwo weißt uns die Richtung: Dort sind vier Orte angegeben – und das sind tatsächlich die einzigen Orte, die an diesem Highway liegen:


Bis in die nächste größere Stadt – Adelaide – waren es nur noch 1.012 km…

Den nächsten Zwischenstop machten wir im Wüstenstädtchen Cobar:



Das ist der Ort, der bekannt ist für die größte Bierdose Australiens...



Das sagt auch schon alles aus, über das, was man über Cobar berichten könnte. Hier war es auch, wo Martin bei seinem letzten Aufenthalt im reizenden Cobar von einem kreischenden Mädchen einen Fingerzeig bekam: „Schau, Mutti, ein Fremder!“. Dies blieb uns diesmal erspart.

Weiter ging die Fahrt, vorbei an zahllosen kleinen Sandtornados und der Grenze zur Fruchtfliegen-freien Zone. Bald würden wir in Wilcannia sein, wo die Wüstenpiste nach White Cliffs abbiegt.




Kurz nachdem eine Großfamilie Emus unsere Vorbeifahrt überlebt hatte (und wir ihre), endete der Nachmittagsausflug eines Papageien-Pärchens abrupt und tragisch an unserer Windschutzscheibe… Auf diesen Schreck mussten wir ein paar Kilometer später erst einmal von der schnurgeraden Straße abkommen und in ein fettes Loch fahren. Einen kräftigen Rums später, fanden wir uns hellwach auf der Straße wieder und setzten unsere Fahr fort. Aufgrund der Hitze entschieden wir uns, auf unserem Lieblingsrastplatz Halt zu machen, um eine Wassermelone zu verspeisen. Dieser Rastplatz ist Gold wert, denn dort gibt es mitten in der Wüste ein paar Bäume und einen Schatten spendenden Unterschlupf. Diesmal waren wir nicht allein: Ein Herr von der Autobahnmeisterei war gerade dabei den Unterschlupf mittels Wasser aus dem Tanker zu reinigen. Sehr gut, das bedeutet wohltuende Abkühlung! Die Außentemperatur lag gerade bei 37*C. Als Martin die Autotür aufmacht und nach unten schaut, schlägt er diese gleich wieder zu. Mit bleichem Gesicht und ganz vorsichtig weist er die Insassen auf folgende Tatsache hin: „Ähm, also… das Hinterrad ist komplett im Arsch…“
Tatschlich: Unser linkes Hinterrad war nicht nur platt wie ‚ne Flunder – auch war die Felge ein zerbeultes Trauerspiel. Nun galt es, Ruhe zu bewahren und das Rad zu wechseln. Den dazu benötigten Wagenheber konnten wir nicht finden… Daher fragte Frank beim Herrn von der Autobahnmeisterei nach, ob er einen hätte. Hatte er, nur keinen, der unter unser Auto passen würde. Gelichzeitig ging ihm ein Licht auf: „Ach ja – das hat schon einer über Funk gemeldet, dass da ein paar Bekloppte mit ‚nem Platten rumfahr‘n!“

Danke. Vielen Dank für diese Information.

Nachdem wir das Auto in seine Bestandteile aufgelöst hatten, fand Frank den Wagenheber hinter der extrem festklemmenden Verkleidung der rechten Rückleuchte. Ruckzuck war der Platten repariert.



Doch hatten wir nun ein Problem: Kein Ersatzrad mehr übrig. Doch wussten wir, dass in Wilcannia eine Autowerkstadt ansässig ist. Da würden Sie geholfen! Frisch fröhlich ging es also weiter.

Bis wir in Wilcannia ankamen. In der Tat war die Autowerkstadt offen – doch leider, so teilte uns der Deutschland-begeisterte Mechaniker mit, habe er keine Ersatzreifen für Stadtautos. Schließlich gäbe es solche hier nicht. Natürlich nicht. Dafür warf er einen Blick auf die zerbeulte Felge, welche im Rest der Welt den Weg in die ewigen Schrott-Gründe gefunden hätte. Nicht so in Wilcannia, Outback New South Wales. Dort zuckt man mit den Schultern, greift die Felge und einen sehr großen Vorschlaghammer, schlägt drei Mal mit aller Wucht darauf ein, und sagt: „Das sieht wieder 1A aus!“. Ja, wirklich, die Felge sah aus wie neu! Mit der Infos, dass dies ein kostenloser Service sei und sich die nächste Werkstadt im nächsten Ort, Broken Hill, befände („Vielleicht…“), zogen wir dankend von Dannen.

Leider liegt Broken Hill sehr sehr weit entfernt. Nämlich 202 Kilometer. Die Idee mit der Stadt unter der Erde war damit begraben. Wir mussten nach Broken Hill. Endstation Hoffnung.



Auf halber Strecke stoppten wir am „Little Topar Roadhouse“. Zwei Tanksäulen und ein Plumpsklo. Zur Erfrischung greift Martin Richtung Apfelsaft – bzw das, was davon übrig war. Aufgrund der enormen Außentemperaturen (inzwischen über 40*C), war die Flasche in einer Explosion zerfetzt worden. Diese tränkte die Innenverkleidung des Autos in eine klebrige (und für den Rest der Reise stinkende) Flüssigkeit. Ein T-Shirt musste als notdürftiger Wischlappen herhalten – für die nächsten 136km flatterte es zum Trocknen außen am Auto, eingeklemmt in die Scheibe der Rücktür.



Schließlich erreichten wir Broken Hill, mit rund 18.000 Einwohnern größter Ort im Umkreis von über 500 Kilometern. Und es regnete. In Broken Hill. In der Wüste. Wir fanden auch die Autowerkstadt – und als wäre es ein Gesetz, dass nach einem Tiefschlag auch mal das Glück wieder kommen muss – ergatterten wir den LETZTEN Reifen von ganz Corner Country! Unsere 1A-Second-Hand-Felge wurde bespannt und verschwand im Kofferraum. Glücklich und zufrieden fanden wir uns nach einer Tour durch‘s örtliche Shoppingcenter (-5*C) am Zeltplatz ein. Als einzige Zeltbesitzer waren wir umzingelt von Luxus-Wohnwagen; mit Satellitenschüsseln, riesigen Flachbildfernsehern, voll ausgestatten Outdoor-Einbau-Küchen und sogar Sofaecken. Argwöhnisch wurden wir beäugt: Das muss eine Schlampe sein, die mit zwei Männer (!!) in einem (!!) Zelt schläft. Immerhin konnten wir Wäsche waschen, richtig Duschen und sogar unsere Handys aufladen. Denn hier hat man sogar Empfang! *Biep-Biep* Die erste SMS kam aus Deutschland: Elke K. aus Berlin wünscht Martin alles Gute, wo auch immer er gerade sei :) Nun ja, Elke: auf einer Termiten-verseuchten Sand-Fläche in einem Gott verlassenen Kaff am unteren Ende vom Arsch der Heide…



Für unseren schweren Tag wurden wir oben auf der Abraumhalde, mitten im Stadtzentrum von Broken Hill belohnt: ein grandioser Sternenhimmel in endloser Finsternis! Sogar etwas Richtiges zu Essen haben wir bekommen. Die Zeltplatz-Katze machte es sich derweil auf der Rückbank unseres Autos bequem, während wir den 4-Liter-Karton Billig-Wein killten.


Nun konnten wir beruhigt schlafen gehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen