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Wir wollen trotz nicht vorhandenen Flusses die 300m tiefe Schlucht des Lerderderg River bestaunen und biegen nach einer Irrfahrt durch die Berge rechts ab. Es ist 10:38 morgens als wir das Auto verlassen. Uns trifft der Schlag - denn es sind 43°C. Wir lassen das mit dem Bestaunen. Über den Highway Nummer 8 immer gen Osten. Willkommen in Melbourne! In einer Sozialsiedlung bekommen wir einen kostenfreien Parkplatz und zuckeln weiter mit der Straßenbahn in die City. Merkwürdige Stadt. Alles zusammengewürfelt, ein bisschen hübsch und meist ziemlich heruntergekommen. Aber nett. Wir schlendern durch die Kunstgalerien am krumm-und-schiefen Federation Square, verspeisen Sushi in Downtown und spielen Tourist. Draußen herrschen 37°C - es ist unvorstellbar. Ab zum Hafen, dem neuen „In-Viertel“. Neben dem Wasser empfängt uns eine betonierte Ödnis. Gleich neben einer sechsspurigen Straße. Zeitgenössische Stadtplanung von Feinsten. Uns wird klar, dass wir lieber in Sydney wohnen [wer hätte das gedacht!?!]. Und das trotz Straßenbahn. Im alternativen Stadtteil Fitzroy bewundern wir überlebensgroße Matrjoschkas, Plattenbauten und Western-Häuschen mit großen Plastik-Blumen dran. Das Beste jedoch: wir erstehen neue Schuhe [ich liebe Schuhe!]. Denn die Schuhe, die wir tragen, sehen genauso aus wie Schuhe, die man in der Wüste getragen hat. Meine Mutter kauft sich ein Ballerina-Kleid, welches sofort zum neuen Lieblingskleidungsstück erhoben wird. Und weil sie dadurch so gut drauf ist, fotografiert sie schamlos einen Hirschen [=geilen Typen] und freut sich wie ein Kind. Mit der Tram rattern wir zurück in unser Sozialviertel. Es ist schon Abend, wir wollen weiter. Und verfahren uns auf dem Autobahn-Gewirr. Kurz hinter Coburg [!], das zwischen Heidelberg [!] und Carlsruhe [!] liegt, finden wir die richtige Abfahrt. Wieder beginnt die Ödnis. Wir wollen zum Campingplatz der Plenty-Schlucht, der alles bietet, was das Herz begehrt. Und als hätte es der Leser geahnt: Mit einem Ballerina-Kleidchen kommt man nicht auf den Campingplatz! Nun gut, es liegt daran, dass das Tor schlicht verschlossen ist. Und bleibt. Um uns herum ist nichts. Ein älterer italienischer Herr empfiehlt uns, in die „große Stadt“ Whittlesea zu fahren, immer gerade aus. Doch auch dort ist nichts. Nicht mal ein Hotel. Die Straße gabelt sich Y-förmig, wir entscheiden uns für links. Über der Steppe versink die Sonne in grandiosen Farben. Hinter einem vertrockneten Hügel eine Pension. Ein Haus, fünft Hunde, ein Typ im Holzfällerhemd. Ausgebucht. Mitten im Nirgendwo. Wir fahren zurück zum Y und fahren nach rechts. Am Goulbourne River liegt unser nächstes Ziel. Inzwischen ist die Nacht hereingebrochen, die Straße nimmt kein Ende. Es kommt kein Ort. Nichts. Wir fahren sehr langsam, denn im Lichtkegel unseres Scheinwerfers überquert allerlei merkwürdiges Getier die nächtliche Straße. Links und rechts stehen Kängurus und glotzen uns an.
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Da ist es passiert. Das muss man sich mal vorstellen > Martin Püschel aus Torgelow hat ein Känguru überfahren.
Wir schauen uns schockiert an, trauen uns gar nicht aus dem Wagen, weil wir ein Gemetzel vermuten. Wir steigen aus. Da liegt ein großes graues Känguru. Es liegt einfach da. Und steht auf! Das Känguru humpelt zum Straßenrand und schaut uns an, einfach an. Das Auto hat Totalschaden. Wir können nicht weiter. Neben einer Riesendelle hat sich die Radkappen-Auskleidung in der Vorderachse verhakt. Wir bekommen sie nicht heraus. Auf einer menschenleeren Straße, fernab der Zivilisation. Großartig! Doch weil man mehr Glück als drei Deppen in Australien gar nicht haben kann: Ein Auto. Sie können uns nicht helfen, warten aber, bis tatsächlich noch ein Auto vorbeikommt. Der Typ hat passendes Werkzeug dabei. Wir schlachten die Auskleidung aus ihrer Verankerung. Ein vorsichtiges Anwerfen des Motors später wird klar: die Karre fährt noch, also schleichen wir noch langsamer als vorher durch die Nacht. Mit über 100km/h überholen uns weitere Autos. Sie haben massive Stahlstangen am Kühler. Wir wissen jetzt, warum. Endlich erreichen wir Yea, ein kleines Städtchen mit historischen Häusern. Wenig später kommen wir im Vorort Molesworth, dem Campingplatz an. Sie haben das Tor aufgelassen für uns, denn wir hatten angerufen. Es gibt perfekte Duschen, warmes Wasser, im Hintergrund rauscht der Goulbourne River. Wir kochen noch einen Kaffee, die Zikaden zirpen. Eine Nacht kann kaum schöner sein. In wenigen Tagen werden Yea und Molesworth im Feuersturm verbrennen.
Sonnenuntergang bei "Y", nahe Whittlesea
Melbourne-Fitzroy / Brunswick Street
Downtown Melbourne / Flinders Street Station
Melbourne / im Kunstmuseum Federation Square
Lerderderg River - Baden verboten... bei 43 Grad...

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