Mittwoch, 10. Juni 2009

Australia-Tour - Teil 06.

Killarney Beach über Little Dessert nach Natimuk Lake. 315 km.



Meine arme Mutter sieht abermals aus wie ein Luftballon. Wir finden heraus, dass meiner Mutter die Klima-Anlage des Autos gegen ihre Allergie hilft und fahren gut gekühlt durch eine endlose Ödnis. Trockenheit wohin man schaut, nur verdörrte Weiden. Es gibt keinen Fluss, keinen Bach, es gibt gar nichts. Die Abstände zwischen den „Orten“ werden immer gewaltiger. In Straßenkarten verzeichnete „Orte“ sind in Australien auch [bzw. überwiegend] nur 1 [!] Farmhaus oder 1 Tankstelle. Die Straßen gehen über ewige Kilometer nur geradeaus. Man glaubt gar nicht, wie schnurgerade so eine Straße sein kann... Und vor allem: über welche Distanzen… Wir sind ganz allein, fahren 123km/h… und werden von der Polizei gestoppt, mitten im Nirgendwo. 1km/h schneller und der Führerschein wäre weg. Wir werden darüber aufgeklärt, dass im Bundesstaat Victoria beim dritten Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit der Führerschein endgültig entzogen wird, eine Strafe von 2.000 Dollars anfällt sowie das Auto beschlagnahmt und zu Gunsten des Staates versteigt wird [ERNSTHAFT!]. Wir schleichen mit 100km/h durch die schnurgerade und menschenleere Steppe und erreichen Penshurst. Dort gibt es 15 Häuser und das entzückendste Café der Welt. Das ist nicht ironisch gemeint. Drei Flamingos wackeln auf der Dorfstraße mit dem Hintern. Über Hamilton geht es zum „spektakulären“ Wannon Waterfall. Es ist atemberaubend: Das Wasser tröpfelt mit 2 Litern pro Stunde über glutheiße Felsen. Es hat hier seit 2 Jahren nicht mehr geregnet. Und genauso sieht es auch aus. Immer weiter geht die Fahrt, immer nur geradeaus durch Steppe, eine ganze Stunde Nichts. Wir erreichen Harrow, ein weiteres Gott verlassenes Nest im Niemandsland, wo wir an den Ufern des (eigentlich dort fließen sollenden) Glenelg River Rast machen und Papptoast mit Käse und Marmelade essen. Leider hat sich der Deckel des Honigs gelöst und der Inhalt des Glases großzügig durch den Kofferraum ergossen… Nachdem Frank etwas eine Stunde geschlafen hat [bei 36 Grad], besichtigen wir das ehemaligen Dorfgefängnis, einen 4mx4m kleinen Verschlag. Es ist 14 Uhr, und vor der Dorfkneipe [in Australien Bar, Imbiss, Post, Bank und Lottoladen in einem] hat sich die gesamte Bewohnerschaft versammelt - ca. 50 Leute - und ist sternhagelvoll. Auch die eindeutig unter 18-Jährigen. Ein grandioses Schauspiel. Immer weiter nur geradeaus. Die Straßen haben keine Kurven mehr. Wir erreichen die Little Dessert. Aufgrund der extremen Außentemperaturen entscheiden wir uns zur Umkehr – zu „einem der beliebtesten und wichtigsten Wassersport-Gebiete Australiens“ – Lake Natimuk. Vorbei am Mitre-Felsen, Salzseen und nicht enden wollender Trockenheit. Die Landschaft ist überzogen von Millionen weißer Mittelmeer-Schnecken, sie sind überall. Vor dem glühenden Boden sind sie auf die Spitzen des vertrockneten Grases geflohen. Nach einer weiteren Stunde nichts als Steppe erreichen wir Natimuk. 150 Einwohner, eine Milchbar, sonst nichts. Wir fahren zum Campingplatz am See. Der Natimuk Lake ist einer der beliebtesten Wassersportgebiete Australiens. Endlich Baden! Wir biegen um die Ecke. Und es gibt tatsächlich alles: eine Seebrücke, Wasserski-Anlagen, Stege, Bootsanlegestellen, Strand, Barbecues, Sonne. Es ist alles da! Alles - nur kein Wasser. Der See ist verschwunden, heute ist dort eine Wüste. Glühender Sand, bis zum Horizont. Wir sind die einzigen Gäste, außer einem alten Herrn, der im Schatten eines Baumes in einem Wohnwagen lebt. Für den Rest seiner Tage. Wir sind total geschockt, völlig am Ende, die Hitze ist unerträglich. Kurz: Die Stimmung ist am Tiefpunkt… Wir entscheiden uns zu bleiben. Unter einem Hain aus Pfefferbäumen, die herrlich durften, bauen wir das Zelt auf, von der Milchbar im Ort holen wir uns den Schlüssel für die Sanitäranlagen ab. Alles blitzt wie nagelneu, weil seit Jahren nicht benutzt. Aber das Beste ist: Die Duschen funktionieren. Alle paar Wochen wird der Ort von einem Wasser-Tanker versorgt. Duschen! Nie zuvor habe ich Duschen als ein solches Gefühl des Glücks empfunden. Zwischendurch muss ich noch eine Handteller-große Monster-Tekla aus dem Waschbecken fischen, schließlich ist meine Mutter hochmotiviert, die Wäsche von Hand zu waschen. Die Spinne landet im Eukalyptus-Gestrüpp; der Ekel vor einem Zermatschen ist größer als das Fangen mit einer Plastiktüte. Meine Mutter hat es sich derweil zwischen Sand und Dornenbusch gemütlich gemacht. Ihre mühsam gewaschenen BHs baumeln auf der Leine. Zehn Minuten später entdecken wir die Waschmaschinen… Von der Seebrücke aus bewundern wir den grandiosen Sonnenuntergang, der in pink über den staubigen Weiten leuchtet. Mit dem Tiefkühlgemüse aus der Milchbar bereiten wir ein vegetarisches Barbecue zu. Über uns breitet sich eine sternenklare Nacht aus, wie ich sie noch nie gesehen habe. Papageien, Eulen und Grillen veranstalten unser ganz privates Nachtkonzert. Es ist wundervoll. In 13 Tagen werden Natimuk und Horsham Rural City aufhören zu existieren.


Sonnenuntergang in Natimuk

Wüste des Natimuk Lake

Seebrücke in den (ehemaligen) Natimuk Lake

Little Dessert - alles sehr rot

Wackelarsch-Flamingos in Penshurst

Australia-Tour - Teil 07.

Natimuk Lake über die Grampians zum Lerderderg Nationalpark. 324 km.



Wieder endlose schnurgerade Straßen. Ungeahnt werfen wir ein letztes Mal einen Blick auf Horsham. Die vertrockneten Graslandschaften ziehen sich bis zum Horizont, die Fahrt ist öde. „Ein Emu!“ brülle ich und Frank macht eine Vollbremsung. Daraufhin entwickelt sich zwischen meiner Mutter und mir folgendes Gespräch:

„Wo?“
„Na da!“
„Wo denn?“
„Na, da steht er doch!“
„Ich seh nischt! Wo soll der denn sein?“
„Muddi! Der Emu ist der 2 Meter große Monster-Vogel, der direkt neben Deinem Fenster steht!“
„Ach hier!“

Doch neben Spaß brauchen wir auch Wasser, dringend! Daher fahren wir ins [wie immer] Ungewisse und machen einen Abstecher in die Grampians, einer Bergkette, die sich wie ein riesiger Monolith mitten aus der Steppe erhebt. Und tatsächlich: Wald! Wald ohne Ende. Und Wasserfälle! Große Wasserfälle. Wir fragen uns, wo hier, mitten in der Wüste, plötzlich soviel Wasser herkommt. Und vor allem: Wo es bleibt? Auf einem Parkplatz füttern wir eine merkwürdige Vogel-Familie: Macpie [mit Jungen] und als Adoptiv-Vater ein Kurawong. Es folgt eine sehr heiße Klettertour zu den McKenzie-Fällen und durch den Grand Canyon. Es ist wunderschön. In Halls Gap, 30 Einwohner und 50 tote Kühe, speisen wir fürstlich in der örtlichen Döner-Bude. Ich gebe Post auf. Der Brief nach Berlin ist 6 Tage später da. Auf den nach Sydney warten wir bis heute. Über den Western Highway fahren wir schnurgeradeaus zum Lerderderg Nationalpark, westlich von Melbourne. Bis nach Bacchus March und dann links… Der Campingplatz ist geschlossen. Die Stimmung sinkt. Wir versuchen verzweifelt, den alternativen zu finden, denn es wird dunkel. Versteckt hinter einer staubigen Piste quer durch die steilen Berge finden wir ihn. Am Fuße einer wunderschönen Schlucht, direkt am Lerderderg River, in dessen Fluten man baden kann. Das Problem daran: der Fluss ist gerade außer Betrieb. Im letzten Tümpel, der noch steht, leben neben einer Entenfamilie auch 20 Milliarden Moskitos. Es gibt nicht nur keinen Fluss – nein, nein – es gibt auch keine Duschen und im Plumpsklo geben sich Monster-Teklas und atomare Bremsspuren ein Stell-Dich-Ein. Darum betrinken wir uns mit einem frisch erworbenen Vier-Liter-Karton Rotwein. Der Abend wird wunderbar!


Lerderderg River - lecker Dinner zwischen Millionen von Moskitos

The Grampians - Berg-Kamm

The Grampians - Grand Canyon

The Grampians - McKenzie Falls

Weites Land mit jeder Menge Kängurus

Australia-Tour - Teil 08.

Lerderderg Nationalpark über Melbourne nach Molesworth. 215 km.



Wir wollen trotz nicht vorhandenen Flusses die 300m tiefe Schlucht des Lerderderg River bestaunen und biegen nach einer Irrfahrt durch die Berge rechts ab. Es ist 10:38 morgens als wir das Auto verlassen. Uns trifft der Schlag - denn es sind 43°C. Wir lassen das mit dem Bestaunen. Über den Highway Nummer 8 immer gen Osten. Willkommen in Melbourne! In einer Sozialsiedlung bekommen wir einen kostenfreien Parkplatz und zuckeln weiter mit der Straßenbahn in die City. Merkwürdige Stadt. Alles zusammengewürfelt, ein bisschen hübsch und meist ziemlich heruntergekommen. Aber nett. Wir schlendern durch die Kunstgalerien am krumm-und-schiefen Federation Square, verspeisen Sushi in Downtown und spielen Tourist. Draußen herrschen 37°C - es ist unvorstellbar. Ab zum Hafen, dem neuen „In-Viertel“. Neben dem Wasser empfängt uns eine betonierte Ödnis. Gleich neben einer sechsspurigen Straße. Zeitgenössische Stadtplanung von Feinsten. Uns wird klar, dass wir lieber in Sydney wohnen [wer hätte das gedacht!?!]. Und das trotz Straßenbahn. Im alternativen Stadtteil Fitzroy bewundern wir überlebensgroße Matrjoschkas, Plattenbauten und Western-Häuschen mit großen Plastik-Blumen dran. Das Beste jedoch: wir erstehen neue Schuhe [ich liebe Schuhe!]. Denn die Schuhe, die wir tragen, sehen genauso aus wie Schuhe, die man in der Wüste getragen hat. Meine Mutter kauft sich ein Ballerina-Kleid, welches sofort zum neuen Lieblingskleidungsstück erhoben wird. Und weil sie dadurch so gut drauf ist, fotografiert sie schamlos einen Hirschen [=geilen Typen] und freut sich wie ein Kind. Mit der Tram rattern wir zurück in unser Sozialviertel. Es ist schon Abend, wir wollen weiter. Und verfahren uns auf dem Autobahn-Gewirr. Kurz hinter Coburg [!], das zwischen Heidelberg [!] und Carlsruhe [!] liegt, finden wir die richtige Abfahrt. Wieder beginnt die Ödnis. Wir wollen zum Campingplatz der Plenty-Schlucht, der alles bietet, was das Herz begehrt. Und als hätte es der Leser geahnt: Mit einem Ballerina-Kleidchen kommt man nicht auf den Campingplatz! Nun gut, es liegt daran, dass das Tor schlicht verschlossen ist. Und bleibt. Um uns herum ist nichts. Ein älterer italienischer Herr empfiehlt uns, in die „große Stadt“ Whittlesea zu fahren, immer gerade aus. Doch auch dort ist nichts. Nicht mal ein Hotel. Die Straße gabelt sich Y-förmig, wir entscheiden uns für links. Über der Steppe versink die Sonne in grandiosen Farben. Hinter einem vertrockneten Hügel eine Pension. Ein Haus, fünft Hunde, ein Typ im Holzfällerhemd. Ausgebucht. Mitten im Nirgendwo. Wir fahren zurück zum Y und fahren nach rechts. Am Goulbourne River liegt unser nächstes Ziel. Inzwischen ist die Nacht hereingebrochen, die Straße nimmt kein Ende. Es kommt kein Ort. Nichts. Wir fahren sehr langsam, denn im Lichtkegel unseres Scheinwerfers überquert allerlei merkwürdiges Getier die nächtliche Straße. Links und rechts stehen Kängurus und glotzen uns an.
||||||||||||||| B U M M |||||||||||||||
Da ist es passiert. Das muss man sich mal vorstellen > Martin Püschel aus Torgelow hat ein Känguru überfahren.
Wir schauen uns schockiert an, trauen uns gar nicht aus dem Wagen, weil wir ein Gemetzel vermuten. Wir steigen aus. Da liegt ein großes graues Känguru. Es liegt einfach da. Und steht auf! Das Känguru humpelt zum Straßenrand und schaut uns an, einfach an. Das Auto hat Totalschaden. Wir können nicht weiter. Neben einer Riesendelle hat sich die Radkappen-Auskleidung in der Vorderachse verhakt. Wir bekommen sie nicht heraus. Auf einer menschenleeren Straße, fernab der Zivilisation. Großartig! Doch weil man mehr Glück als drei Deppen in Australien gar nicht haben kann: Ein Auto. Sie können uns nicht helfen, warten aber, bis tatsächlich noch ein Auto vorbeikommt. Der Typ hat passendes Werkzeug dabei. Wir schlachten die Auskleidung aus ihrer Verankerung. Ein vorsichtiges Anwerfen des Motors später wird klar: die Karre fährt noch, also schleichen wir noch langsamer als vorher durch die Nacht. Mit über 100km/h überholen uns weitere Autos. Sie haben massive Stahlstangen am Kühler. Wir wissen jetzt, warum. Endlich erreichen wir Yea, ein kleines Städtchen mit historischen Häusern. Wenig später kommen wir im Vorort Molesworth, dem Campingplatz an. Sie haben das Tor aufgelassen für uns, denn wir hatten angerufen. Es gibt perfekte Duschen, warmes Wasser, im Hintergrund rauscht der Goulbourne River. Wir kochen noch einen Kaffee, die Zikaden zirpen. Eine Nacht kann kaum schöner sein. In wenigen Tagen werden Yea und Molesworth im Feuersturm verbrennen.


Sonnenuntergang bei "Y", nahe Whittlesea

Melbourne-Fitzroy / Brunswick Street

Downtown Melbourne / Flinders Street Station

Melbourne / im Kunstmuseum Federation Square

Lerderderg River - Baden verboten... bei 43 Grad...

Australia-Tour - Teil 09.

Molesworth über Hume Stausee nach Khancoban/Snowy Mountains. 371km.



Ich stehe gerade unter der Dusche, da vernehme ich ein lautes „Klack“. Als ich nach unten schaue, sehe ich den zuckenden Körper einer Schlange. Ihr Maul schnappt mit den Zähnen in die Luft, obwohl ihr Körper in zwei Hälften geteilt ist. Jemand fragt, ob alles in Ordnung sei, aber ich kann gerade gar nichts sagen. Unter der Kabinentür erscheint eine überdimensionale Heckenschere und zerrt den Rest der Schlange nach draußen. 30 Sekunden später gehe ich hinaus. Der Platzwart steht mit einem Grinsen und der noch immer zuschnappenden Schlange vor mir. „Hab gesehen, wie die rein gekrochen ist. Da hab ich die Schere geholt und bin gleich hinterher. Glück gehabt, was? Ist eine Tiger Snake, die mag’s feucht. Überall hier, die Biester. Stehen unter Schutz. Wir dürfen sie eigentlich nicht töten – aber sie töten uns. Bis ins Krankenhaus hättest Du‘s von hier nicht mehr geschafft.“
Ich sage noch immer nichts.
Seine Frau kommt dazu und ergänzt: „Herrjeh, ist das da Euer Auto? War wohl kein Wombat*, was!? Dann wärt ihr mit dem kleinen Auto wohl tot.“
Ich finde nicht nur, dass wir ein großes Auto haben, sondern bin auch begeistert von der einfühlsamen Art der Molesworth’schen Platzwarte. Ja, das ist genau das, was ich noch vor der ersten Zigarette gebraucht habe. Inzwischen ist meine Mutter an den Duschen eingetroffen und schaut sich mit mir die zuckende Schlange an. Armes Ding.
[* Wer übrigens nicht weiß, was ein Wombat ist: Es sieht aus wie eine Mischung aus Meerschweinchen und Biber, ist sehr haarig, hat einem riesigen Hintern, ist etwa halb so groß wie ein Hausschwein und lebt in Erdlöchern. Außerdem sind Wombats sehr, sehr schwer und laufen gern Lichtkegeln entgegen…]
Nach dem ersten Verdauen setzen wir unsere Fahrt fort. Merton, Euroa, Benella, Wangaratta -alles eine Provinzsoße. Alles an der Autobahn. Bei „Emma’s Take Away, einem einsamen quietschgelben Bus-Imbus machen wir Halt und wundern uns, was der Verkäufer hier, mitten im Nirgendwo, macht. Da wir den schnurgeraden Asphalt nicht mehr ertragen können, biegen wir auf eine Landstraße ab. Hier gibt es sogar Kurven, die Gegend wird schöner, Bäume in staubigen Weiten, alte Golgräber-Städtchen wie aus dem Bilderbuch. Schließlich erreichen wir Wodonga, einer Stadt, die dermaßen kitschig gestaltet ist, dass Disneyland vor Neid verblassen würde! Auf der anderen Seite des Murray River liegt nicht nur Albury, sondern auch New South Wales. „Unser“ Bundesstaat, mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Diesmal fahren wir entlang des Südufers des Hume-Stausees, Richtung Tarragatta, von wo aus man einen grandiosen Blick auf den See hat. Auf weiteren 82 Kilometern durch das Murray Valley durchfahren wir folgende Ort: Bullioh at Tangaratta Creek, Koetong, Shelley und Berringama. Kein Ort hat mehr als zwei Häuser. Schließlich lassen wir das Ortsschild von Curryong hinter uns, „Hauptstadt der Snowy Mountains“ und stolz auf das Lied vom „Mann vom Snowy River“. Das ist auch alles, was es zu dieser Hauptstadt zu sagen gibt. Wir erkunden das Städtchen. Verlaufen kann man sich nicht, er gibt nur eine Straße, ein Kaufhaus, das seit den 50ern geschlossen und unverändert aussieht und die „Man from the Snowy River Shopping Arcade“. Die hat vier Geschäfte… Der einzige Imbiss bietet natürlich eine kulinarischen Hochgenuss nach dem nächsten: Fish and Chips mit brauner Kotze, Fish and Chips mit gelblicher Kotze und Fish and Chips pur, versalzen. Da der Höhepunkt der Ortes, die Klima-Anlage des Imbisses, an der ein kleiner Plastik-Hai-Kopf befestigt ist, schnell fotografiert wurde, setzen wir unsere Fahrt weiter fort. Wenig später kommen wir wieder am Murray River an, am Oberlauf, wo er noch ein klarer, großer Strom ist. Auf der anderen Seite wartet New South Wales, was von Franks Seite mit einem Bad im Fluss gefeiert wird. Als meine Mutter gerade nicht schaut, fahren wir einfach los, bis hinter die nächste Kurve [ja, hier gibt es wieder Kurven!!!]. Nach 10 Minuten schauen wir mal nach, ob meine Mutter unsere Abwesenheit schon bemerkt hat. Hat sie. Die erwartet uns am Brückengeländer. Und bricht in einen Lachflash aus, der ewig dauert. Schließlich haben wir die Türen verschlossen und gemeint, es wird schon ein Auto vorbeikommen.
Trotzdem setzten wir zu dritt die Fahrt fort, kurz darauf kommen wir an, in Khancoban, unserem Zeltplatz. Es ist wunderschön, um uns herum die Berge, vor uns der See, und alle Annehmlichkeiten, die der Mensch sich wünscht. Sogar eine original 40er Jahre Shell-Tankstelle und eine Kneipe von den Ausmaßen eines Supermarktes – für einen Ort mit 84 Einwohnern. Wir bestellen Bier und bekommen ein Essen, das tatsächlich richtig gut schmeckt. Vielleicht sind wir nach über einer Woche Fahrt auch nicht mehr wählerisch. Es dauert auch nicht lang, bis sich die Dorfjugend zu uns an den Tisch setzt [Australien eben]. Zwei Dorfprolls, wie man sie erlebt haben muss. Am interessantesten waren ihre Ansichten zu Schwulen [Dorfprolls = ahnungslos zwei Stadt-Schwestern gegenüber sitzend] und die Anmachversuche des 23-jährigen Kevin meiner Mutter gegenüber… Dann gehen wir schlafen…


Khancoban/Snowy Mountains, Shell-Tankstelle

Die "Stadt des Manns vom Snowy River"... Curryon in Weinachtsstimmung, 32 Grad

Meine Mutter im Einsatz gegen Giftspinnnen

"Emmas Take Away"

Camping-Idylle in Molesworth

Australia-Tour - Teil 10.

Snowy Mountains über Canberra in die Stanley Street’sche Höhle. 371km.



Der nächste Morgen beginnt für meine Mutter wieder auf die gewohnte Luftballon-Weise, eigentlich könnte sie auch als „Ricarda M.“-Double im Namen der OP-verursachten Schönheit werben. Die Arme! Da es windig ist, und die Flamme des „Gas-Kumpels“ immer wieder ausgeht, bietet die herausgebrochene Rad-Verkleidung einen hervorragenden Windfang. Um uns herum die Berge und der See. Stille und Land-Idylle. Nach einem Müsli-Frühstück geht es weiter Richtung Sydney, immer die kurvige Bergstraße hinauf und hinunter. Wir haben das Gefühl, im Regenwald unterwegs zu sein, Bäume bis zum Horizont. Im Quellgebiet des Murray River machen wir Halt, meine Mutter kühlt sich im Fluss die Schwellung aus dem Gesicht. Um uns herum grasen überall Kängurus. Und zwar Hunderte.
Als wir den Bergkamm des Mount Koszkiouzsku, höchster Berg Australiens, überquert haben, ändert sich die Landschaft schlagartig. Es ist neblig, alle (!) Bäume sind kahl, und vor allem ist es kalt. Die Snowy Mountains eben. Die Landschaft ist komplett grau, es schaut aus, als wäre vor einer Stunde ein Vulkan explodiert. Der Nebel wird so dicht, dass man keine 10m schauen kann. Dann kommen wir im endlich im Tal an, wo die Aussichten auf das Gebirge spektakulär sind. Auf dem Highway zur Küste überholen wir ein einziges Auto, genauer gesagt, ein Auto mit Anhänger. Der Anhänger ist quietsch gelb und lässt vermuten, dass jeden Abend ein einsamer Single die Schrunden seiner rechten Hand malträtiert. Je weiter wir uns von den Bergen entfernen, umso trockener wird die Landschaft, bis sie in die übliche Steppe übergeht. Nur noch Staub und vertrocknetes Gebüsch. Keine einzige Ortschaft – bis wir Coma erreichen. Und der Name ist Programm! Während Frank im Wagen ein Pausenschläfchen hält, machen meine Mutter und ich uns auf dem Weg „in die Stadt“! Ha! Coma ist nach australischem Standard eine Metropole! 30.000 Einwohner, eine Hauptstraße mit ca. 20 Geschäften, ein Stadtpark, ein Rathaus, eine Open-Air-Bühne, eine Schule, ein Kindergarten, zwei Kirchen, ein öffentliches Klo. Nach 7 Minuten ist die Stadt durchquert - Ende Gelände. Wir besichtigen noch die katholische Kirchen, laufen den Berg, auf dem diese liegt wieder hinunter, organisieren noch Sandwiches und wecken Frank. Am Ende des Ortes haben wir ein Café entdeckt, wo man tatsächlich draußen sitzen kann, sehr unaustralisch. Es dauert auch nur 20 Minuten bis der Kaffee kommt (außer 4 Bikern sind wir die einzigen Gäste), und meine Mutter ergötzt sich an den Motorrädern, die sie auch gern mal fahren würde. Da fällt unser Blick auf unser Auto… Es schaut verheerend aus. Rot vom Wüstensand (eigentlich ist es weiß), unter herum vollkommen eingesaut mit betonhartem Schlamm. Da wir sowieso schon eine Riesendelle im Wagen haben, entscheiden wir uns, das Auto zu waschen – denn natürlich gibt es auch hier in der Wüste jede Menge Gelegenheiten, Wasser zu verschwenden. Tatsächlich bekommen wir heraus, wie der Staubsauger und die Einseifungsanlage funktionieren! Nämlich mit einer Tonne Kleingeld… Als wir fertig sind, setzen wir unseren Weg durch die endlose Ödnis fort. Eine 3-Einwohner-Bläke folgt der nächsten, dann kommen Canberra (auch nicht besser), der ausgetrocknete Lake George, 56 McDonald’s-Filialen im Nirgendwo (alle gefüllt mit hyperadipösen Australiern), die Suburbs von Wollongong City und schließlich… Sydney. Es war noch nie so gut, unsere Wohnhöhle zu sehen. Mit einer richtigen Dusche!

Hinter uns liegen 3.271 km. Gefühlte 12.657. Leider haben die Otway-Raubschnecken die Strapazen nicht überlebt. Aber wir. Und wir haben all die Landschaften und Orte gesehen, die in den letzen Wochen in Flammen aufgegangen sind. Wir kamen noch rechtzeitig nach Sydney zurück. In die schönste Stadt der Welt.


"Stadtzentrum" von Cooma

Einsamer Single auf Reisen

Snowy Mountains / Mount Koszkiouzsku, Ost-Seite

Snowy Mountains, West-Seite

Snowy Mountains, Camping am Stausee bei Khancoban

Im Kampf gegen den Outback-Staub

Fast zu Hause

Mittwoch, 3. Juni 2009

Jetzt mit noch mehr Löchern...

Martin hat's mal wieder gewagt... Es hat noch GROSSE Pläne...

Entliebesierung

Ja, da ist's vorbei mit der Romantik, die Liebsgrüße werden vom Fernsehturm entfernt... Doch zum Anschluss gabs noch mal 'nen kleinen Liebesgruß vom Herrn persönlich...

Hauptgewinn

Letztens war ich mal wieder im Williams Hotel, der "Hauskneipe" des Astralian Museum. Meine charmante [...] Kollegin Marlene schleppte mich dahin, weil ich aufgrund einer langen Pechsträhne schelchte Laune hatte... Also bestellten wir ein Boags Beer. Und bekamen dazu je ein Rubbellos vom tollen Boags Beer Gewinnspiel! Aha... Ich rubbelte mutlos drauf... und siehe da... ich habe gewonnen!

Einen original Boags Beer Stubby Cooler [zu Deutsch: Bier-Kühler] zum Preis von A$ 9.99. Ha!

Ich hatte gute Laune und habe gleich noch ein Bier bestellt [schmeckt übrigens, Überraschung, bahbahbah...]. Egal. Noch ein Rubbellos bekommen... Und wieder... gewonnen! Diesmal eine original Boags Beer Laptop-Tasche zum Preis von A$ 50!



Marlen übrigens hatte zwei Nieten... Manchmal muss ich ja auch mal n bissel Gück haben!

Samstag, 16. Mai 2009

LIEBES-TURM

Schaut mal, wat se mit dem Fernsehturm jeamcht haben - mir hat keiner geschrieben :*(




Melbourne my love!

Hey folks!
Just spend a few days with Lars in Melbourne - I LOVE IT! Here are some impressions...


jenau so!


downtown schick 1!


downtown schick 2!


downtown enzückend!


downtown mondän.


imma frisch uffn tisch.


fitzroy.


susi [berlin/melbourne] und icke [sydney]!


st. kilda the beauty!


southbank.


herbst.

Freitag, 1. Mai 2009

Angriff der Killerinsekten!

Ich wusste es - eines Tages würde es soweit kommen! Invasion der Killer-Würmchen! Alarmierende Neuigkeiten aus der aktuellen Ausgabe der "Australian Shell News"...